Home Staging beim Verkauf sanierter Wohnungen: Kosten und Nutzen
Kurzantwort
Home Staging lohnt sich bei sanierten Wohnungen, wenn es den Verkauf um mindestens einige Wochen verkürzt oder den Preis um gut ein Prozent hebt. Ein professionelles Mietpaket kostet meist 2.500 bis 6.000 Euro, ein eigenes wiederverwendbares Set 2.000 bis 3.500 Euro einmalig. Wer mehrere Wohnungen im Jahr verkauft, fährt mit einem eigenen Set am günstigsten.
Home Staging rechnet sich beim Verkauf einer sanierten Wohnung dann, wenn die Kosten kleiner sind als die Haltekosten, die du durch einen schnelleren Verkauf sparst, oder als der Preisabschlag, den du ohne Staging hinnehmen müsstest. Bei einer typischen Flip-Wohnung mit 1.200 bis 1.500 Euro Haltekosten im Monat ist ein Mietpaket für 3.000 Euro nach rund zwei Monaten Zeitgewinn bezahlt. Ein eigenes Set, das du über mehrere Objekte nutzt, schon nach wenigen Wochen.
Wofür Staging in einer frisch sanierten Wohnung sorgt
Eine leere, frisch gestrichene Wohnung sieht auf Fotos kleiner aus, als sie ist. Ohne Möbel fehlt der Maßstab: Niemand erkennt, ob im Schlafzimmer ein 1,80-m-Bett mit zwei Nachttischen Platz hat oder ob das kleine dritte Zimmer als Kinderzimmer taugt. Kaufinteressierte füllen diese Lücke im Kopf meist mit einer zu kleinen Vorstellung.
Staging soll deshalb drei Fragen beantworten, bevor sie gestellt werden: Wie groß wirken die Räume mit echten Möbeln, wie lässt sich der Grundriss nutzen, und wie fühlt sich die Wohnung bewohnt an. Mehr braucht es nicht. Eine voll dekorierte Musterwohnung lenkt von Boden, Bad und Licht ab, also von genau den Dingen, für die du Geld ausgegeben hast.
Vier Varianten mit ihren Kosten
| Variante | Kosten | Geeignet für |
|---|---|---|
| Textilien und Accessoires (Kissen, Teppich, Handtücher, Pflanzen, Leuchten) | 150 bis 400 € einmalig | jede Wohnung, auch zusätzlich zu den anderen Varianten |
| Eigenes Set aus leichten Möbeln, wiederverwendbar | 2.000 bis 3.500 € einmalig, plus 200 bis 300 € Transport und Aufbau je Objekt | ab etwa drei Verkäufen im Jahr |
| Mietstaging durch ein Fachunternehmen | 2.500 bis 6.000 € für zwei bis drei Monate | Einzelverkäufe, größere oder höherpreisige Wohnungen |
| Virtuelles Staging der Fotos | 30 bis 80 € je Bild | Inserat vor Fertigstellung, vermietete Wohnungen |
Die Preise für Mietstaging hängen stark von Region, Wohnungsgröße und Laufzeit ab. Frag bei Angeboten nach, ob Verlängerungen monatlich oder in festen Blöcken abgerechnet werden. Verkauft sich die Wohnung langsamer als geplant, wird eine teure Verlängerung sonst zum größten Posten.
Break-even: Wann sich Staging bezahlt macht
Als Beispiel dient eine sanierte 3-Zimmer-Wohnung mit 78 m², Angebotspreis 289.000 Euro, finanziert über ein variables Darlehen von 230.000 Euro zu 4,7 %. Wie du solche laufenden Kosten vollständig ermittelst, zeigt der Beitrag zu den Haltekosten.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Zinsen pro Monat | 901 € |
| Hausgeld pro Monat | 320 € |
| Strom, Heizung, Versicherung pro Monat | 130 € |
| Haltekosten pro Monat | 1.351 € |
| Mietstaging, drei Monate | 3.200 € |
| Break-even Mietstaging | 2,4 Monate schneller oder 1,1 % höherer Preis |
| Eigenes Set 2.800 €, verteilt auf vier Objekte, plus 250 € Logistik | 950 € je Objekt |
| Break-even eigenes Set | 0,7 Monate schneller oder 0,3 % höherer Preis |
Das Mietpaket muss also einiges leisten, um sich zu tragen. Das eigene Set hat die Kosten schon herein, wenn die Wohnung drei Wochen früher verkauft ist oder bei der Verhandlung 1.000 Euro weniger nachgelassen wird. Deshalb arbeiten wir seit Jahren mit einem eigenen Bestand, der von Objekt zu Objekt wandert. Wie ein solches Set mit einer Küche aus Pappe aussieht, zeigt dieses Video mit Roomtour durch eine gestagte Wohnung. Wenn du die Haltekosten deines Projekts für verschiedene Verkaufszeitpunkte durchspielen willst, hilft der Fix-and-Flip-Rechner von Leverage Immo, der Haltekosten über die Projektdauer und eine Sensitivität für den Verkaufspreis ausweist.
Welche Räume zuerst dran sind
Mit begrenztem Budget gehst du nach dieser Reihenfolge vor:
- Wohnzimmer mit Sofa, Teppich und einer Stehleuchte. Es ist meist das Titelbild im Inserat.
- Schlafzimmer mit Bett in realer Größe. Hier entsteht die häufigste Unsicherheit über die Raumgröße.
- Kleine oder ungewöhnlich geschnittene Zimmer, etwa als Arbeitszimmer mit Schreibtisch. Ein leerer 9-m²-Raum wirkt wie eine Abstellkammer, mit Schreibtisch und Regal wie ein Büro.
- Bad mit Handtüchern, Badteppich und einer Pflanze. Kostet unter 100 Euro.
- Balkon mit zwei Stühlen und einem kleinen Tisch, damit die nutzbare Fläche sichtbar wird.
Die Küche ist ein eigenes Thema, weil sie bei Flips oft gar nicht oder nur als Attrappe vorhanden ist. Ob sich der Einbau lohnt, besprechen wir im Beitrag zur Küche im Flip-Objekt. Ebenso viel Wirkung wie Möbel hat das Licht: Besichtigungen am späten Nachmittag mit eingeschalteten Leuchten wirken in einer Wohnung mit durchdachter Beleuchtung deutlich wärmer.
Virtuelles Staging: Was erlaubt ist
Virtuell eingerichtete Fotos sind günstig und schnell. Sie haben aber eine Grenze: Das Inserat darf nicht in die Irre führen. Wer als Unternehmer inseriert, unterliegt dem Verbot irreführender geschäftlicher Handlungen nach § 5 UWG. Für die Praxis heißt das:
- Jedes bearbeitete Bild trägt einen sichtbaren Hinweis, etwa "virtuell eingerichtet".
- Zu jedem gestagten Bild gehört im Inserat auch das unbearbeitete Foto desselben Raums.
- Boden, Wände, Fenster und Ausblick bleiben unverändert. Möbel kommen hinzu, Mängel werden nicht überdeckt.
Virtuelles Staging ersetzt keine Besichtigung im echten Raum. Wer die Fotos gestagt sieht und dann in eine leere Wohnung kommt, ist häufig enttäuscht. Wir nutzen es deshalb vor allem für Inserate vor Fertigstellung und kombinieren es bei Besichtigungen mit echten Accessoires.
Wann du auf Staging verzichten kannst
Staging lohnt sich nicht in jedem Fall. Bei einer vermieteten Wohnung, die an Kapitalanleger geht, ist es ohnehin nicht möglich, und diese Käufergruppe entscheidet nach Miete und Rendite. Auch Häuser mit großem Sanierungsrest, bei denen die Käuferseite selbst noch Hand anlegen will, profitieren wenig. In Märkten mit sehr wenig Angebot verkaufen sich gut sanierte Wohnungen auch leer schnell. Prüf dort zuerst, ob Fotos, Preis und Exposé stimmen, bevor du Geld in Möbel steckst. Die häufigsten Gründe für einen schleppenden Verkauf findest du im Beitrag warum Wohnungen monatelang nicht verkauft werden.
Aus unseren Projekten
Eine 2-Zimmer-Wohnung mit 58 m² in Nürnberg stand nach der Sanierung sechs Wochen leer im Inserat. In dieser Zeit kamen neun Anfragen und zwei Besichtigungen, beide ohne Angebot. Rückmeldung beider Interessenten: Das Schlafzimmer sei zu klein. Es hatte 12,5 m². Wir haben ein Bett mit 1,60 m, Nachttische, Sofa, Esstisch und Textilien aus unserem Set aufgestellt und neue Fotos machen lassen. Kosten inklusive Fotograf und Transport: rund 650 Euro. In den folgenden zehn Tagen kamen 27 Anfragen, nach drei Wochen war die Wohnung zum Angebotspreis reserviert. An Haltekosten sind in den sechs leeren Wochen gut 1.700 Euro angefallen, die wir uns mit Staging ab dem ersten Tag hätten sparen können.
Was du jetzt konkret tun kannst
- Berechne die Haltekosten deiner Wohnung pro Monat. Das ist die Obergrenze für dein Staging-Budget bei einem Monat Zeitgewinn.
- Plane ab drei Verkäufen pro Jahr ein eigenes Set aus leichten, zerlegbaren Möbeln ein und lagere es zentral.
- Stage zuerst Wohnzimmer, Schlafzimmer und kleine Räume, erst danach den Rest.
- Lass die Fotos erst nach dem Staging machen, nicht vorher.
- Kennzeichne virtuell eingerichtete Bilder und zeig das Original daneben. Weitere Hebel für einen schnellen Verkauf beschreibt der Beitrag zur Vermarktungsdauer.
Häufige Fragen
Was kostet Home Staging für eine Wohnung?
Ein professionelles Mietpaket für eine Wohnung mit zwei bis drei Zimmern kostet meist 2.500 bis 6.000 Euro für zwei bis drei Monate. Ein eigenes wiederverwendbares Set liegt einmalig bei 2.000 bis 3.500 Euro. Reines Accessoire-Staging mit Textilien und Pflanzen ist für 150 bis 400 Euro machbar.
Lohnt sich Home Staging bei einer sanierten Wohnung?
Meist ja, wenn die Wohnung leer verkauft wird. Die Kosten sind gedeckt, sobald der Verkauf so viel schneller läuft, dass die gesparten Haltekosten den Staging-Preis übersteigen. Bei 1.350 Euro Haltekosten im Monat amortisiert sich ein Mietpaket für 3.200 Euro nach rund 2,4 Monaten Zeitgewinn.
Sind virtuell eingerichtete Fotos im Inserat erlaubt?
Ja, wenn das Inserat nicht irreführt. Kennzeichne die Bilder als virtuell eingerichtet, zeig das unbearbeitete Foto daneben und verändere keine baulichen Merkmale. Für Unternehmer gilt das Irreführungsverbot nach § 5 UWG.
Werden die Staging-Möbel mitverkauft?
Nein, die Möbel gehören in der Regel dem Verkäufer oder dem Staging-Unternehmen und werden nach dem Verkauf abgebaut. Sag das bei der Besichtigung klar, und halte im Kaufvertrag fest, welche Gegenstände mitverkauft werden.
Quellen und weiterführende Links
- § 5 UWG, Irreführende geschäftliche Handlungen, Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (Volltext über lxgesetze.de)